Ich glaube, sie hat etwas gemerkt. Zumindest spürt sie irgendwas. Ich kann es an ihren Bewegungen ablesen, die nicht mehr ganz so geschmeidig und fließend sind. Ich sehe es an ihren Augen, die nicht mehr ziellos umherwandern und wie zufällig kurz auf einem mir unbekannten Fixpunkt verharren. Ihr Blick flackert. Ihre ganze Haltung verrät Spannung. Aber ist es Wissen? Oder nur die Ahnung des Vorhandenseins irgendeiner Ungereimtheit? Nicht wirklich mit Gedanken oder gar mit Worten zu fassen, aber doch halb im Bewusstsein.
Mir wird schlagartig heiß. Ich bin sicher, dass mein Gesicht innerhalb eines Augenschlags eine durchdringend auffällige Rotfärbung angenommen hat. Die Hitze kommt in Wellen und lässt meine Wangen und meine Stirn aufbrennen. Unter meinen Achseln fließt der Schweiß. Ist sie auch ein so aufmerksamer Beobachter? Jeder, der ein bißchen Menschenkenntnis hat, kann in unserem Verhalten lesen wie in einem Buch. Den Durchschnitsidioten kann man mit ein paar simplen Tricks hinter’s Licht führen. Aber ich habe sie ausgewählt, weil sie etwas Besonderes ist.
Mir wird klar, dass diese Gedanken mein Unbehagen und die dadurch nach außen getragenen Signale nur noch steigern. Ich darf mich nicht in diesen Teufelskreis fallen lassen. Kontrolle. Die Kontrolle ist das Entscheidende. Entspann’ Dich, setz’ ein Lächeln auf und sag’ etwas, damit sie sich wieder auf Dich konzentriert. Wir haben noch viel vor.