Es ist eine schleimig-perverse Form von Morgen, irgendwo zwischen Tag und Nacht. Ich zünde mir eine Zigarette an, um festzustellen, dass ich da bin, um einen Punkt zu setzen, an dem ich mich orientieren kann. Sie schmeckt wie Kotze. Die Luft ist schwer von einem Geruchsnebel aus altem Alkohol, alten Zigaretten und alten Augenblicken, an die ich mich nicht erinnern kann.
Auf dem Tisch steht ein halbes Glas Weißwein. Ich mag Wein nicht wirklich, aber ich bin es leid, die Bierkisten die Treppe hochzutragen. Nach kurzem Zögern trinke ich den Rest in einem Zug und schaffe es gerade noch rechtzeitig ins Badezimmer, um einen Cocktail aus vergorenen Trauben und Galle in die Schüssel zu plätschern. Kalter Schweiß steht mir auf der Stirn; trotzdem fühle ich mich für den Augenblick besser. Aus der Küche hole ich mir eine neue Flasche, freue mich, dass die Schraubverschlüsse auf dem Vormarsch zu sein scheinen und schenke nach.
Durch die geschlossenen Jalousien dringt irgendein diffuses Licht, aber ich will die Einzelheiten gar nicht wissen und lasse sie so, wie sie sind. Das Halbdunkel ist wie eine kuschelige Decke, die kratzt. Ich falle auf den Sessel und hoffe, dass es noch nicht die Zeit ist, in der Menschen andere Menschen anrufen, sie besuchen oder mit sonstigen sozialen Interaktionen belästigen. Wenigstens der Postbote hat mittlerweile begriffen, dass er bei mir nicht zu schellen braucht. Damit rangiert er in meiner Rangliste der intelligenten Lebensformen sehr weit oben.
Während ich so vor mich hin am Glas nippe, schweifen meine Gedanken gewohnheitsgemäß in alle Richtungen. Der Alkohol betäubt die körperlichen Unbefindlichkeiten, aber mein Hirn hat noch nicht akzeptiert, dass mich seine Fähigkeiten nicht beeindrucken, sondern behindern. Jedenfalls jetzt. Früher oder später werde ich einen Plan fassen müssen.